Selbstverständnis eLi – 2014

Wir, die eLi, sind ein selbstorganisierter Zusammenschluss verschiedenster Personen, die sich kritisch mit den bestehenden Gesellschaftsverhältnissen auseinandersetzen. Entsprechend der jeweiligen Möglichkeiten wollen wir gemeinsam emanzipatorische, linksradikale Politik in Offenbach und Umgebung zum Thema machen. Unsere Politik ist antinational und antifaschistisch; sie zielt auf die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft ab.

„[…] ohne Angst verschieden sein zu können“ (Th.W. Adorno)

Ein Leben „ohne Angst verschieden zu sein“ zu ermöglichen, sollte Ziel von emanzipatorischer Politik sein. Die bestehenden Verhältnisse, sowie die zum Teil daraus entstehenden reaktionären Ideologien stehen dem entgegen.
Wir verstehen die Gesellschaft allerdings als einen von Menschen gemachten und somit auch von Menschen veränderbaren Prozess.
Auf der Basis von (Selbst-)Reflexion muss das Bestehende zunächst analysiert und negiert werden, um später überwunden werden zu können. Auch wenn wir kein Patentrezept dafür kennen, so können wir unsere Möglichkeiten ausschöpfen, um Handlungsspielräume zu erweitern und emanzipatorische Räume zu erkämpfen.

Antikapitalismus und die Verankerung im gesellschaftlichen Ganzen…

Die kapitalistische Gesellschaft hat nicht das Ziel der Bedürfnisbefriedigung aller Menschen, sondern verfolgt lediglich als Selbstzweck die Produktion von immer mehr Profit. Da kein Mensch der alles umfassenden kapitalistischen Gesellschaft entfliehen kann, weil nahezu alle Menschen um zu „Überleben“ zur Lohnarbeit* gezwungen sind, wird das Bestehende durch das Handeln der Menschen stetig aufrechterhalten und erneuert. Durch die in der kapitalistischen Produktionsweise entstandene Konkurrenz der Menschen zueinander, werden im Wettbewerb systematisch sogenannte „Gewinnende“ und „Verlierende“ produziert.
Dies begünstigt die Entstehung von reaktionären Zuschreibungen und verkürzten Erklärungsmustern, welche durch die Gesellschaft fortwährend reproduziert werden. Ergebnisse dieser münden in Ideologien wie Rassismus, Antisemitismus oder Homonegativität und anderen antiemanzipatorischen Weltbildern, welche ein selbstbestimmtes Leben aller Menschen verhindern.
Eine personalisierte Kritik an einzelnen Agierenden im kapitalistischen Alltag ist also auch keine angemessene Antwort auf die vorhandenen und sichtbaren Ungleichheiten. Vielmehr müssen diese als systemimmanent, also im kapitalistischen Produktionsprozess verankert, betrachtet werden, weshalb nur die Kritik am großen Ganzen ihre praktische Aufhebung darstellen kann.

*) Wir sind uns bewusst, dass Lohnarbeit auch immer die Dimension der Reproduktion mit einschließt. Von der Lohnarbeit ausgenommen sind Menschen, die ausschließlich von ihrem Kapital leben können.

Rassismus und Nationalismus

Die kapitalistischen Verhältnisse begünstigen antiemanzipatorische Ideologien, die in der Mitte der Gesellschaft verankert sind. Hierzu gehören neben strukturellem Rassismus, wie zum Beispiel die menschenverachtende Flüchtlingspolitik der BRD, auch rassistische Übergriffe im Alltag. Rassismus findet nicht nur in rechtsradikalen Milieus seinen Ausdruck, sondern tritt gerade durch die unterschwellige Diskriminierungserfahrung in bürgerlichen Lebensrealitäten in Erscheinung.
In zugespitzter Form mündet Rassismus in organisierter neonazistischer Gewalt gegenüber allen, die als „anders“ wahrgenommen werden. Während hier das Ideal der „reinen“ Volksgemeinschaft als Werkzeug benutzt wird, um zu definieren was „anders“ ist, basiert das komplette Konstrukt „Nation“ auf willkürlichen historischen Grenzsetzungen. Jedoch wird die „konstruierte Volksgemeinschaft“ nicht nur von Neonazis als gegeben angesehen. Trotz der Zufälligkeit des Geburtsortes spielt die dadurch entstehende Nationalität eine wichtige Rolle in Diskriminierungs- und Ausgrenzungsprozessen – in allen gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen.
Dem stellen wir eine konsequente antinationale und antirassistische Politik entgegen, die nur in der Abschaffung von Staat, Nation und Kapital enden kann, mit der auch jegliche Ausgrenzungsprozesse negiert werden.

Antisemitismus

Neben dem historisch und religiös gewachsenen Antijudaismus, der sich gegen Menschen jüdischen Glaubens richtet, gilt es auch den sogenannten („strukturellen“) Antisemitismus zu bekämpfen.
Zu Beginn der Industrialisierung, mit dem der Kapitalismus zum allumfassenden Wirtschaftssystem wurde, fand eine Transformation des religiösen Antijudaismus, der Menschen jüdischen Glaubens unter anderem in bestimmte Berufsgruppen (Handel & Kreditwesen) drängte, in einen völkischen Antisemitismus statt.
Aufgrund dessen entstanden antisemitische Stereotype, woran sich der Kernpunkt des gegenwärtigen Antisemitismus herausstellt – nämlich die Suche nach Schuldigen für die Übel des kapitalistischen Alltags.
Eben dieser Antisemitismus begrenzt sich heutzutage nicht mehr notwendigerweise nur auf Menschen jüdischen Glaubens. Zum Beispiel bedient sich die vermeintliche Kritik an „gierigen“ Bankiers und „bösartigen“ Finanzspekulierenden daher immer strukturell antisemitischer Erklärungsmuster.

Sexismus

In der patriarchalen Gesellschaft ist Sexismus auch Teil von Ausgrenzungs- und Diskriminierungsmechanismen. Patriarchat bedeutet immer eine Form von Machtausübung und Unterdrückung in einem binären Geschlechterverhältnis.
Sexismus meint zunächst eine unhinterfragte Reduktion von Menschen und deren zugeschriebenen Eigenschaften und Bedürfnissen, auf ein bestimmtes Geschlecht, mit/ und/ oder entsprechender (heteronormativer) sexueller Neigung, die Ausgrenzung und Diskriminierung verursacht.
Gesellschaftliche Zuschreibungen beziehen sich hier auf die vermeintlich zwei biologischen Geschlechter. Hier wird verkannt, dass es sich bei Geschlechterrollen lediglich um soziale Konstruktionen handelt, die durch fortwährende Weitergabe und Sozialisation als „natürlich“ erscheinen.
Diese werden durch die bestehenden kapitalistischen Verhältnisse auf die Spitze getrieben: Das Herrschen und Beherrschtsein stellt in diesem Kontext klar dar, was mit bestehenden Zwangsverhältnissen gemeint ist. Diese patriarchalen Gesellschaftsstrukturen sind nicht erst seit der bürgerlichen Gesellschaft existent, aber werden durch diese enorm verstärkt.

Immer und überall

Auch in Offenbach am Main gibt es präsente Formen antiemanzipatorischer Ideologien, denen es sich entschlossen in den Weg zu stellen gilt. Damit stellt Offenbach im Vergleich zu anderen Städten keine Ausnahme dar. Unterdrückungs- und Verdrängungsprozesse sind allgegenwärtig, und bedürfen daher, da strukturell verursacht, einer konsequenten Kritik. Überall! Auch wenn die angesprochenen Zustände im gesamtgesellschaftlichen Kontext gesehen werden müssen, lassen sich dennoch regionalpolitische Entscheidungen und Probleme thematisieren, beeinflussen und bekämpfen!

Emanzipation vorantreiben – die befreite Gesellschaft erkämpfen.